Stadt Rheine übernimmt offiziell die Damloup-Kaserne

Dr. Peter Lüttmann, Paul Johannes Fietz und Jochen Altrogge bei der Schlüsselübergabe vor der ehemaligen Damloup-Kaserne im Rheiner Stadtteil Dorenkamp. Foto: Stadt Rheine

Bonn/Rheine (pm/aw). Mit einer offiziellen Schlüsselübergabe hat die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) die ehemalige Damloup-Kaserne in Rheine jetzt an die Stadt Rheine übergeben. Das zehn Hektar große Gelände im Stadtteil Dorenkamp kann nun als zukunftsweisendes Quartier mit dem Schwerpunkt Wohnen neu überplant werden.

Nach einer knapp dreijährigen Planungsphase ist die Liegenschaft an der Mittelstraße in Rheine offiziell durch die BImA an die Stadt Rheine übergeben worden. Im Beisein zahlreicher Gäste aus Politik, den Ausschüssen sowie der Verwaltung nahm Bürgermeister Dr. Peter Lüttmann den symbolischen Schlüssel von Paul Johannes Fietz, Mitglied des Vorstandes der BImA, entgegen. „Wir freuen uns, dass wir mit der Damloup-Kaserne ein weiteres großes Kasernen-Areal übernehmen können. Und wie auch bei den bisherigen Liegenschaften kann ich sagen, dass auch dieses Mal die Verhandlungen zwischen Stadt und BImA angenehm und vertrauensvoll waren“, betonte Lüttmann die gute Zusammenarbeit. „Dabei“, so Lüttmann weiter, „freue ich mich besonders, dass wir mit der Übernahme des neuen Areals auch ein mutiges städtebauliches Konzept umsetzen können, welches insbesondere in Sachen Mobilität und Energieversorgung ganz neue und innovative Wege geht.“

Erstzugriffsoption genutzt

Der Stadtteil Dorenkamp befindet sich südwestlich des Altstadtkerns der Stadt Rheine. Bis Anfang 2022 lag das etwa zehn Hektar große Kasernengelände in der Verantwortung des Bundes und befand sich im Eigentum der BImA, dem zentralen Immobilienunternehmen des Bundes. Die Stadt Rheine sprach sich im Jahre 2018 für die Ausübung der Erstzugriffsoption aus. Im Januar 2022 wurde der Kaufvertrag unterzeichnet.

„Der BImA ist es ein großes Anliegen, Partnerin der Kommunen zu sein und sie bei der Erfüllung ihrer Aufgaben zu unterstützen. Daher freue ich mich, dass die Stadt Rheine die Erstzugriffsoption und die Verbilligung der BImA genutzt hat“, sagte Paul Johannes Fietz und erklärte weiter: „Dahinter verbirgt sich die Möglichkeit für Kommunen, Grundstücke ohne Bieterverfahren zu einem verbilligten Preis direkt zu erwerben, um sie dann schnellstmöglich im Sinne der Bürger nutzen zu können – etwa für den Bau von Wohnungen. So sind bundesweit schon rund 70.000 dringend benötigte Wohnungen auf ehemaligen Liegenschaften des Bundes entstanden beziehungsweise entstehen noch.“

Zielorientierte Gesprächsatmosphäre

Der Verkaufsleiter der BImA-Hauptstelle Dortmund, Jochen Altrogge, betonte die intensive und gute Zusammenarbeit auf allen Ebenen der BImA und der Stadt Rheine. „Die Verhandlungen waren natürlich nicht immer einfach und es wurde um jede Position gerungen – dies jedoch stets in einer angenehmen und vor allem zielorientierten Gesprächsatmosphäre. Das war hier der Schlüssel zum Erfolg und dafür möchte ich mich bei allen Beteiligten noch einmal bedanken“, sagte Altrogge.

Auf dem größten Teil des Areals gibt es unter der Erde noch eine umfangreiche Bausubstanz, die zum Teil noch aus dem Zweiten Weltkrieg stammt. In Teilbereichen ist alter Baumbestand vorhanden, welcher auch zukünftig erhalten bleiben soll. Von den verbliebenen überwiegend viergeschossigen Bestandsgebäuden wurden drei Gebäude bisher vom Regierungsbezirk Münster als Flüchtlingsunterkunft genutzt. Mit der Übergabe der Fläche kann nun, nach dem Rückbau, mit der Neubebauung und landschaftsplanerischen Neustrukturierung des Europaviertels am Waldhügel, wie das Areal zukünftig heißen soll, begonnen werden.

Zentrale Lage mit Potential

„Aufgrund seiner zentralen Lage im Stadtgebiet und den umliegenden Siedlungs- und Grünstrukturen bietet das ehemalige Kasernenareal ein hohes innerstädtisches Potential für eine zukunftsweisende Quartiersentwicklung mit dem Schwerpunkt Wohnen“, wie Baudezernentin Milena Schauer bei einem Rundgang über das Gelände erläuterte.

Daher fand bereits im Juni 2019 ein Bürgerforum – als eine wichtige Grundlage für den Planungsprozess – statt. Nach einer gemeinsamen Begehung der ehemaligen Damloup-Kaserne erarbeiteten die Bürgerinnen und Bürger in thematischen Arbeitsgruppen wichtige Hinweise und Ideen zu den Themenfeldern „Wohnen und Arbeiten“, „Freiraum und Klima“ und „Mobilität“. Die Ergebnisse des Forums flossen als lokales Wissen in den weiteren Planungsprozess ein. In einer daran anschließenden, zweitägigen Planungswerkstatt entwickelte die Stadt Rheine zusammen mit externen Büros sowie Fachleuten der Technischen Betriebe ein städtebauliches und freiraumplanerisches Konzept für das Gebiet der Damloup-Kaserne.

Dabei wurden insbesondere innovative und klimafreundliche Planungsansätze in den Bereichen Mobilität, wie zum Beispiel den Bau von drei Mobilitätshubs an den Eingängen des Quartiers mit umfangreichen Sharingangeboten und eine fossilfreie Energieversorgung entwickelt und in den politischen Ausschüssen vorgestellt und bewilligt.

Ein modernes Wohnquartier mit hoher Aufenthaltsqualität

Wie es nun weitergeht, erläuterte Konversionsmanager Mark Dieckmann: „Die Ausschreibung und die Auftragsvergabe für den Rückbau ist erfolgt. Ab Oktober 2022 bis circa Ende 2023 sollen dann die Bagger mit dem Abriss der meisten Gebäude, der umfangreichen unterirdischen Bausubstanz und der zurzeit noch gepflasterten Plätze und Wege beginnen. Dann kann mit der Neuerschließung für das gesamte Areal begonnen werden.“

Dabei sollen vielfältige Angebote für unterschiedliche Nutzergruppen (Wohnen in Eigentum und Miete, frei finanzierter und geförderter Wohnraum, individuelle Wohnformen und Geschosswohnen, Angebote für Genossenschaften oder Baugruppen sowie innovative Konzepte wie beispielsweise Mehrgenerationenwohnen) umgesetzt werden. Auch der Bau einer weiteren KiTa ist geplant. Wichtig bei der Überplanung des Areals war es allen Akteuren zudem, dass die gesamte Siedlung konsequent autoarm entwickelt wird, um eine hohe Aufenthaltsqualität zu erreichen. Im Bereich der Entwässerungsplanung soll nach dem sogenannten „Schwammstadtprinzip“ vorgegangen werden, das heißt, dass das Regenwasser möglichst lange im Quartier verbleibt und damit eine hohe Verdunstungsrate für ein besseres Micro-Klima erreicht wird. „Wenn das Quartier dann vollständig entwickelt ist, haben wir durch das Nebeneinander unterschiedlicher Gebäudetypologien ein diverses Quartier, in dem hoffentlich auch viele unterschiedliche Menschen, ob alt oder jung, alleinlebend oder als Familie, zur Miete oder im Eigenheim, ihr neues Zuhause finden“, so Baudezernentin Schauer abschließend.